Bankjahr 2016 trotz schwierigem Umfeld gut gelaufen

Nochmals sechs Prozent Dividende

Niederstetten Mit über 200 Teilnehmern war die 26. Vertreterversammlung der Volksbank Vorbach-Tauber in der Alten Turnhalle Niederstetten sehr gut besucht.

Beim Totengedenken erinnerte der Aufsichtsratsvorsitzende Franz Wick als Versammlungsleiter an die insgesamt 94 verstorbenen Mitglieder der Bank, insbesondere an die beiden langjährigen Aufsichtsratsmitgieder Kurt Hörner und Eberhard Wild.

Einstimmig billigten die anwesenden Vertreter die offene Abstimmung – und ebenso einstimmig folgten sie den Beschlussvorschlägen zur Feststellung des Jahresabschlusses 2016, zur Verwendung des Jahresüberschusses, zur Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat und den Wahlen zum Aufsichtsrat. Der Jahresüberschuss von rund 523.000 Euro fließt in die 6-prozentige Bardividende auf die Geschäftsguthaben (rund 318.000 Euro), in eine 100.000-Euro-Zuweisung an die gesetzliche Rücklage sowie (knapp 105.000 Euro) andere Rücklagen. Die turnusgemäß aus dem Aufsichtsrat ausscheidenden Mitglieder Karl-Heinz-Keim (Reinsbronn) und Peter Rösch (Schäftersheim) wurden einstimmig wiedergewählt.

Der Vorstandsvorsitzende Jürgen Fricke schickte seinem Jahresrück- und -ausblick einen Video-Jahresrückblick voran, in dem politische Weichenstellungen im Gefolge von Brexit-Votum, dem  Putschversuch in der Türkei und der Wahl Trumps zum US-Präsidenten ebenso in Erinnerung gerufen wurden wie die Probleme um Niedrigzinspolitik und Abgasskandal.

Generell läuft es rund in Deutschland - trotz schwierigerem weltwirtschaftlichem Umfeld. Gute Binnennachfrage, Beschäftigungswachstum und hohe Steuereinnahmen und Beschäftigungswachstum standen einem verhaltenen Außenhandelsgeschäft und geringer Investitionsdynamik gegenüber. Allerdings machte im ländlichen Raum die negative Entwicklung landwirtschaftlicher Erzeugerpreise allen Betriebsformen zu schaffen.

Auch die Prognosen sind gut: Konjunkturberichte rechnen mit 1,8prozentigem Wachstum in Deutschland, und auch die IHK sieht die Region ungeachtet aller politischen Sorgen so gut wie seit fast sechs Jahren nicht mehr, so Fricke. Danach planen regionale Unternehmen weitere Einstellungen, sehen sich aber Fachkräftemangel und Nachwuchssorgen gegenüber.

In einer regelrechten Philippika wandte sich Fricke gegen die Strafzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die seit März 2016 für Einlagen der Banken bei ihr erhoben werden: „So etwas ist noch nie da gewesen – zumindest nicht in den vergangenen 5.000 Jahren. Die Babylonier, die alten Griechen und die Römer kannten zwar Zinsen, wären aber nie auf die Idee gekommen, null Zinsen oder negative Zinsen zu erheben.“ Nicht überzeugt ist Fricke davon, dass diese Politik zielführend – also wachstumsfördernd – ist, eher ist er besorgt, dass die große Geldmenge Blasenbildung etwa im Immobiliensektor fördern könnte und Sparern eine teurer werdende Zukunftsvorsorge beschert.

Positiv schätzt er auch für 2017 die gute  Börsenentwicklung nach der Börsentalfahrt Anfang 2016 ein. Vom DAX-Februar-Tief mit 8.750 Punkte stieg der Aktienindex zum Jahresende auf 11.481 Punkte und erreicht derzeit rund 12.600 Punkte – mit Steigerungschancen bis zum Jahresende bis auf 13.000 Punkte.

Fricke erinnerte auch an die zahlreichen gesellschaftlichen Aktivitäten der Volksbank Vorbach-Tauber, das Spendenaufkommen der Bank für Kultur, Sport und die Kinder- und Jugendarbeit in der Region sowie das durch die Bank und ihre Belegschaft in die Region fließende Steueraufkommen von rund einer Million Euro sowie die Kaufkraft von 1,9 Millionen Euro.

Steigende Mitgliederzahlen – mit inzwischen über 8000 Mitgliedern gehört fast jeder zweite Einwohner des 17.000 Menschen zählenden Oberen Bezirks der Bank an – korrespondieren mit steigenden Kundeneinlagen, steigendem Kundenkreditvolumen, einer wachsenden Bilanz- sowie Eigenkapitalsumme.

Für die Zukunft investiert die Volksbank Vorbach-Tauber in Weikersheim in einen Anbau in der Karl-Ludwig-Straße, in Niederstetten in eine Umgestaltung des ersten und zweiten Obergeschosses. Dennoch müssen sich Mitglieder und Kunden mit ein paar Einschnitten vertraut machen: Künftig dürften die Dividendezahlungen – heuer noch sechs Prozent – bei um vier Prozent einpendeln, und in Oberstetten, Reinsbronn und Wermutshausen wurden zum Ende des ersten Quartals die kaum noch genutzten Zahlstellen geschlossen. Ende Juni folgen aus dem gleichen Grund Schließungen der Zahlstellen in Archshofen, Münster und Queckbronn. Dennoch: Im Vergleich mit anderen Banken versorgt die Volksbank die Fläche mit 19 Geschäftsstellen noch erstaunlich differenziert.

Auf ein trotz global widriger Umstände erfolgreiches Jahr verwies Frickes Vorstandskollege Dirk Schlenker. Detailliert schlüsselte er die Positionen der um 8,1 Prozent auf 334 Millionen Euro gestiegenen Bilanzsumme auf. Es sind vornehmlich externe Ursachen, die das Betriebsergebnis vor Bewertung um 7,2 Prozent auf 3,2 Millionen Euro reduzierten und auch einen um 11,4 Prozent rückläufigen Jahresüberschuss – jetzt 523.000 Euro – bedingten.

Ausdrückliches Lob für die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat formulierte der Aufsichtsratsvorsitzende Franz Wick, der der Vertreterversammlung die Ergebnisse des mit dem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehenen Prüfungsberichts des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands vorstellte.

Niederstettens Bürgermeister Rüdiger Zibold, der die Entlastung vornahm, hatte in seinem Grußwort auch im Namen der Bürgermeister von Creglingen und Weikersheim die Bank als „zuverlässigen und bewährten Partner für Privatkunden, regionale Unternehmen, die Landwirtschaft und die Kommunen“ gewürdigt, der sich den globalen Herausforderungen souverän gestellt habe und sie meisterte.

Über das allseitige Lob für Deko, Abendservice und liebevoll angerichtete Vesperteller freute sich die Kegelabteilung des TV Niederstetten, die die Bewirtung der Veranstaltung übernommen hatte.

Über ihre Ehrung anlässlich ihrer 60-jährigen Mitgliedschaft freuten sie Fritz Haag aus Oberstetten und Gerhard Vogel aus Rüsselhausen. Nicht persönlich zu ihrer Ehrung kommen konnten Walther Leitner, Ernst Lenkner, Ernst Mangold, Albert Rupp und Anna Schall.

Fritz Haag aus Oberstetten (Mitte) und Gerhard Vogel aus Rüsselhausen (2.v.r.) konnten das kleine Jubiläumsgeschenk anlässlich ihrer 60jährigen Mitgliedschaft persönlich entgegennehmen. Die Aufnahme zeigt sie gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fricke (links), dem Aufsichtsratsvorsitzenden Franz Wick und Vorstand Dirk Schlenker (rechts).

Erschienen in den Fränkischen Nachrichten am 01.06.2017